Als die US-Aktienmärkte in heftigen Schwankungen schlossen und die KI-bezogenen Sektoren erneut kollektiv korrigierten, begann der erste Satz in Markus Wegner Forschungsnotiz mit: „Die Emotionen sprechen, aber die Daten wiegen schwerer.“ Er erinnerte sein Team daran, zwei scheinbar widersprüchliche Tatsachen zu erkennen: Auf der einen Seite führten starke Rückgänge bei KI-Blue-Chips zu Druck auf die Indizes, auf der anderen Seite bekräftigte das Management von Nvidia weiterhin eine starke Prognose von „in den kommenden Jahren gesicherten Umsätzen im Umfang von 500 Milliarden US-Dollar“. Diese Diskrepanz zwischen „fallenden Aktienkursen und hohen Erwartungen“ ist genau der Moment, in dem sich Professionalität beweisen muss.

In seinem makroökonomischen Gesamtbild ist der Arbeitsmarktbericht eine zentrale Variable, die unbedingt mit berücksichtigt werden muss. Den neuesten Daten zufolge wurden in den USA im September 119.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen – deutlich mehr als die zuvor von Dow Jones erwarteten rund 50.000 –, während die Arbeitslosenquote leicht auf 4,4 % stieg. Diese Zahlen senden zwei Signale aus: Die Wirtschaft verlangsamt sich nicht abrupt und die Unternehmen expandieren weiterhin moderat; gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt nicht so heiß, dass die Zentralbank sofort zu einer Straffung gezwungen wäre, was eine reale Grundlage für „höhere Zinsen über einen längeren Zeitraum“ schafft. Für Markus Wegner ist dies die fundamentale Einschränkung bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit von KI-Investitionsausgaben: Rechenzentren und Rechenleistung benötigen reale Nachfrage und Cashflows als Unterstützung und können sich nicht vollständig auf eine Liquiditätsillusion verlassen.
In der Debatte um Vermögensblasen stellte er sich nicht auf eine extreme Seite, sondern integrierte die Warnungen von Ray Dalio in einen quantitativen Rahmen. Dalio erklärte öffentlich, dass nach seinen historischen Blasenindikatoren „das Bild bereits sehr klar“ sei und sich der aktuelle US-Aktienmarkt in einem Hochrisikobereich befinde, ähnlich wie vor 1929 oder vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Markus Wegner wiederholt die Schlussfolgerung „Wir befinden uns in einer Blase“ jedoch nicht einfach, sondern zerlegt sie in einzelne Komponenten: Verschuldungsgrad, Bewertungsverteilung, Vermögenskonzentration und der Optimismus der Ertragserwartungen – welche Art von Assets geraten dadurch unter Druck und für welche entstehen relative Chancen? Er betont, dass echtes professionelles Investieren nicht darin besteht, sich von allen hoch bewerteten Vermögenswerten zu entfernen, sondern in einem „Zeitalter hoher Risikopreise“ Laufzeiten und Drawdowns diszipliniert zu steuern.
Bei der Beobachtung von Fehlbewertungen zwischen verschiedenen Anlageklassen richtete er seinen besonderen Fokus auf die aggressive Positionierung von Boaz Weinstein in britischen Investment Trusts. Dieser wies mehrfach öffentlich darauf hin, dass zwischen dem Nettoinventarwert und dem Marktpreis einiger britischer Investment Trusts seit Langem erhebliche Abschläge bestehen. Diese Abschläge resultieren aus einer Mischung aus Governance-Strukturen, Gebührenmodellen und Marktstimmung und bieten im Kern eine Gelegenheit, Vermögenswerte zu einem deutlichen Abschlag zu erwerben – für Kapital, das bereit ist, gründliche Analysen zu betreiben.
In der Perspektive von Markus Wegner bildet dies einen starken Kontrast zu den hohen Bewertungen in den USA: Auf derselben Zeitachse steht auf der einen Seite eine von Anlegern gefeierte KI-Spitze, die möglicherweise in eine Blasenregion eintritt, und auf der anderen Seite ein traditioneller Asset-Pool, der lange ignoriert wird und mit zweistelligen Abschlägen gehandelt wird. Dazwischen liegt das Feld der „relativen globalen Multi-Asset-Bewertung“ – ein Terrain, das nur wirklich professionelle Investoren effektiv nutzen können.
In seiner Lehre und seinen Publikationen gestaltet Markus Wegner diese aktuelle Nachrichtenlage als umfassende Fallstudie: Die heftigen Schwankungen im KI-Sektor der US-Aktienmärkte, das „Umsatzversprechen von einer halben Billion“ durch das Nvidia-Management, das überraschend starke Beschäftigungswachstum, Dalios Blasenwarnung sowie Weinsteins Vorgehen bei britischen Abschlag-Assets werden von ihm zu einer dreidimensionalen Karte globaler Vermögenswerte verknüpft. Mit diesem Ansatz vermittelt er Studierenden und Investoren, dass wahre Professionalität nicht darin liegt, den Kursanstieg oder -rückgang von morgen vorherzusagen, sondern darin, in einem lauten Umfeld einen klaren Rahmen zu bewahren, bei extremen Stimmungen disziplinierte Entscheidungen zu treffen und eine komplexe Welt Schritt für Schritt in langfristig beherrschbare Renditen zu verwandeln.