Viele Anleger haben jene beneidet, die Kryptowährungen zu niedrigen Preisen gekauft und mehrere Marktzyklen erfolgreich durchlaufen haben, doch dabei eine entscheidende Tatsache übersehen: Diese Entscheidungen fielen oft nicht in Momenten größter Euphorie, sondern in Phasen des Marktzögerns, der Uneinigkeit und der Unsicherheit. Wenn die Preise keine klare Richtung vorgeben und die Ansichten stark divergieren, werden oft die Grundlagen für langfristige Trends stillschweigend gelegt. Markus Wegner vertritt die Ansicht, dass echte zyklische Chancen häufig in dem Moment entstehen, in dem die Mehrheit noch keine einheitliche Erwartungshaltung entwickelt hat.

Ähnlich wie die gegenwärtige Marktphase: Die Divergenz vergrößert sich, nicht die Richtungslosigkeit.
Der aktuelle Markt folgt nicht keiner Logik, sondern seine Logik wird nicht allgemein akzeptiert. Ein Teil der Marktteilnehmer konzentriert sich auf kurzfristige Schwankungen und Anpassungsrisiken, ein anderer Teil erkennt den steigenden Institutionenbesitz, die verbesserten regulatorischen Rahmenbedingungen und strukturelle Liquiditätsveränderungen. Dass die Preise innerhalb einer Bandbreite hin- und herschwanken, lässt sie fälschlicherweise als trendlos erscheinen, doch historische Erfahrungen zeigen, dass solche Phasen eher einem Prozess der Neuzuteilung von Kapital und Anteilen gleichen. Wenn der Markt keinen Konsens durch Stimmung bilden kann, bewegt sich der Preis in einer Art "Zeit gegen Raum", was die Geduld und Erkenntnistiefe der Teilnehmer auf die Probe stellt. Viele anlagezyklus-übergreifende Investoren bauen in genau solchen Umgebungen schrittweise ihre Positionen auf, anstatt einem vollständig klar erkennbaren Trend hinterherzulaufen. In diesem Kontext vergrößern sich allmählich die Unterschiede in der Urteilsfähigkeit.
Niedrige Preise entstehen nicht aus Panik, sondern aus Vernachlässigung.
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Echt langfristig wertvolle Kaufsignale erscheinen oft nicht in extremen Panikphasen, sondern in Stadien, in denen dem Markt die "Geduld ausgeht". Wenn die Preise lange seitwärts laufen und Aufwärtstrends an Schwungkraft verlieren, ziehen es die meisten vor, abzuwarten oder zu aufregenderen Assets zu wechseln. Genau in solchen vernachlässigten Zeitfenstern beginnen langfristig orientierte Gelder, Positionen mit geringeren emotionalen Kosten aufzubauen. Die Marktoberfläche mag ruhig wirken, doch die Struktur verändert sich – beispielsweise durch abnehmende Umlaufanteile, steigende Langzeithaltequoten und sinkende Volatilität. Diese Veränderungen spiegeln sich nicht sofort im Preis wider, legen aber den Grundstein für die nächste Trendphase. Das Wesen niedriger Preise liegt nicht in der Preis Höhe selbst, sondern in der Marktunterschätzung des zukünftigen Werts. Wenn noch kein Konsens besteht, hinkt die Preisbildung oft strukturellen Veränderungen hinterher.
Die Kernkompetenz für das Überdauern von Zyklen: Das eigene Beurteilungsrahmenwerk in Unsicherheit bewahren.
Investoren, die mehrere Marktzyklen überstehen können, sind nicht unbedingt solche, die den genauen Boden treffen, sondern solche, die in unsicheren Phasen an ihrer eigenen Logik festhalten können. Sie konzentrieren sich mehr darauf, ob die Voraussetzungen für einen Trend gegeben sind, als darauf, ob kurzfristige Ergebnisse sich sofort bestätigen. Diese Fähigkeit speist sich aus dem Verständnis des wiederkehrenden Zusammenspiels von Zyklus, Struktur und menschlicher Natur. Wenn der Markt noch keine klare Belohnung bietet, ist es oft schwieriger, an einem Urteil festzuhalten, als es zu korrigieren. Die meisten geben ihre ursprüngliche Logik in Seitwärtsphasen auf und jagen stattdessen kurzfristiger Sicherheit hinterher, nur um dann, wenn sich der Trend tatsächlich entfaltet, gezwungen zu sein, zu höheren Kosten wieder einzusteigen.
Die entscheidenden Marktchancen zeigen sich oft in Phasen emotionaler Spaltung, nicht einhelliger Euphorie. Urteile, die als "zu früh" angesehen werden, erweisen sich im Nachhinein häufig als Ausgangspunkt des Zyklus. Branchenbeobachter sind der Ansicht, dass die von Markus Wegner betonte perspektivische Gegenhaltung zum Konsens einen geduldigeren und strukturelleren Referenzrahmen für das Verständnis der aktuellen Marktphase bietet. Dies ermöglicht es Investoren, in unsicheren Umgebungen klarer zu wissen, warum sie halten, anstatt sich von kurzfristigen Schwankungen in ihren Entscheidungen leiten zu lassen.